Zur Geschichte der Saalfelder Schützen und ihrer Stadt!

Gründung der Saalfelder Schützengesellschaft

 

Die Gründung der Saalfelder Schützengesellschaft geht auf das Jahr 1446 zurück. Es ist dies die Zeit Saalfelds unter der Herrschaft Herzog
Wilhelms des III. zu Sachsen. Nach der sogenannten „Altenburger Teilung“ wird 1440 den Neffen des verstorbenen Landgrafen von Thüringen Friedrich IV. die entsprechenden Landesteile zugesprochen. Kurfürst Friedrich der II. erhält den meißnischen und pleißenländischen Teil. Sein Bruder Herzog
Wilhelm der III. den thüringisch und fränkischen Teil der wettiner Lande und somit letzterer die Herrschaft über Saalfeld. Durch Missgunst über
die Teilung kommt es 1446 zum sächsischen Bruderkrieg. Bei dieser Auseinandersetzung wird die Saalfelder Bürgerschaft aufgefordert den Herzog zu
unterstützen und eine Bürgerwehr zu gründen. Im September 1446 fordert Herzog Wilhelm der III. die Saalfelder auf, zu Pferde, mit Wagen und zu Fuß
mit Harnischen und Steinbüchsen, Handbüchsen, Armbrüsten und anderen Gewehren aber auch mit Flegeln, Äxten, Hauen und selbst Steinen die Stadt zu verteidigen. Dieser Aufforderung sollen die Saalfelder Bürger für gegebene Zeit folge leisten. Und die Saalfelder unterstützen ihren Herzog. Diese
Informationen sind ein erster Beleg, dass bereits1446 eine erste Schützengilde in Saalfeld besteht.

"Die Saalfelder Bürger waren schon längst als tüchtige Kriegsmänner bekannt und von den
sächsischen Herzogen und Kurfürsten wegen ihrer Tapferkeit und besonders auch wegen ihrer Klugheit hochgeschätzt. Wenn es galt, die
Stadt gegen unbefugte Eindringlinge zu schützen oder wenn der Landesherr zur Heeresfolge rief, dann waren die mutigen Saalfelder Bürger
schnell bei der Hand und sie füllten ihren Posten aus nach bestem Gewissen.
Um auch in friedlichen Zeiten im Gebrauch der Schießwaffen nicht aus der Übung zu kommen und um mit dem Nützlichen
zugleich das Angenehme zu verbinden, scharten sie sich zusammen und übten sich in freien Stunden, im gemütlichen, freundschaftlichen
Verkehr untereinander, im Schießen nach der Scheibe oder nach einem anderen Ziele."

So ein Auszug aus der Festschrift zur 450-Jahr-Feier 1896.

Aus einem Bericht 1466 des Amtschössers an Herzog Wilhelm III. wird die Wehrfähigkeit des Landesaufgebotes des Amtes Saalfeld genau erfasst.
Zur Bekämpfung des Räuberunwesens und Zuckerie auf den Landstraßen und Handelswegen werden ab 1480 die Saalfelder Schützen eingesetzt. Der Stadtrat hat 30 redliche und wehrhafte Personen mit Harnischen, Handbüchsen und Armbrüsten bereitzustellen (nach Sagittarius).

Erste Schießübungen zur Ertüchtigung der Saalfelder Schützen werden ab 1446 aus einem Rundturm in der Nähe des heutigen Blankenburger Tor durchgeführt. Diese Schießübungen erfolgen außerhalb der Stadt entlang eines Wallgrabens sicherlich in Richtung des heutigen Ostberges. Zur damaligen Zeit gab es hier  noch keine Bebauung und somit keine Gefährdung der Bürger. Später wird der Wallgraben mit Wasser gefüllt und dient der Stadt als Löschwasserteich bei Feuergefahr. Hieraus basiert die Bezeichnung des vorderen Schießteich’s, welcher später verfüllt wird und als Viehmarkt (Saumarkt) dient. Erst 1534 wird durch den Rat der Stadt neben dem Schießturm ein Schießhaus aus kunstvoll gehauenen Steinen errichtet. Dieses neben dem Hauptturm errichtete Gebäude wird 1620 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Der Neubau wird um 1890/92 beseitigt und zum Wohnungsbau verwendet. Im Schützenturm wohnt der Saalfelder Schützenmeister der von der Stadt eingesetzt ist und freies Wohnrecht und jährlich 5 Scheffel Korn und 2 Scheffel Groschen zu einem Gewand von der Stadt erhält. Als Pulverturm dient den Schützen und der Stadt ein Mauerturm am Graben, etwa zwischen der Fleischgasse und demBlankenburger Tor.

Zwar war das Pulver zur Gründungszeit der Schützengesellschaften schon erfunden, so waren die Feuerwaffen jedoch noch schwerfällig
und unvollkommen. Deshalb wurden die Schießübungen mit der Armbrust abgehalten. Schon zur damaligen Zeit waren die Saalfelder Schützen
sehr erfolgreich und wurden zu Schützenfesten in anderen Städten gern eingeladen. Die Stadt ersetzte ihnen die Wegzehrung mit Einlagen, empfing
aber die erschossenen Gewinne.

Von Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen wird ein militärisches Aufgebot von der Stadt Saalfeld festgelegt. Folgende Mannschaft wird aufgestellt,
398 wehrfähige Männer, 134 Feuerbüchsen, 139 Spießen, 119 Hellebarden, 157 Harnische und 51 Degen. Bei der Neuformierung erhalten die Bürger Uniformen in den Farben Schwarz und Gelb. Der Stadtrat ist weiterhin aufgefordert ein jährliches Schießfest, das spätere Schützenfest zu organisieren. Hierzu werden benachbarte Städte eingeladen und entsprechende Siegerpreise bereitgestellt.

Etwa 100 Saalfelder Schützen müssen als Teil des Bundesheeres im Schmalkaldischen Krieg teilnehmen. Das Saalfelder Fähnlein wird im Vogtland, bei Adorf im November 1546 total aufgerieben. Aus den Aufzeichnungen des Chronisten Silvester Lieb geht hervor, dass eine Adelsverschwörung den bürgerlichen Stadtrat zu Saalfeld stürzen wollte. Dieser Versuch wurde durch die Saalfelder Schützen 1555 durch die Belagerung des Hohen Schwarm und des Schlösschen Kitzerstein vereitelt.

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Im Jahr 1538 erließ der Rat der Stadt Saalfeld den Befehl, dass sich ein jeder Bürger dem Schützenverein anschließen möge und ein Rohr zu tragen habe. 1620 wurde an der Stelle des alten Schießhauses ein neues errichtet. Da aber die Bebauung außerhalb der Stadtmauern zunahm, wurde die Errichtung eines neuen Schießhauses weit außerhalb der Stadt geplant. Die Planung und der Bau verzögerten sich, durch die Geldnöte der Stadt.
Erst 1753 wurde im Tausch ein Grundstück am Scheidanger unterhalb von Graba gefunden. (heute Weidig oder Schützenplatz) Im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für das neue Schützenhaus.

         

Um die finanzielle Lage der Schützengesellschaft aufzubessern, waren die Freigebräude (Maßeinheit für Bier, in Sachsen 90 Hektoliter) eine vom
Landesherren bewilligte Freiheit auf Tranksteuer gegenüber der Stadt sehr willkommen.
Die Schützen erhielten das Privileg keine Tranksteuer zu entrichten. Der Stadt Saalfeld gefiel das natürlich nicht und so musste die Bewilligung
immer neu beantragt werden. Der Name der Schützengesellschaft Privilegierte Schützengesellschaft geht auf dieses besondere Privileg zurück.
1798 erfolgte ein Anbau an das inzwischen zu klein gewordene Schießhaus. 1834 wurden zwei weitere Schießstände errichtet.
Am 12. Juni 1843 brannte das Schützenhaus nach einer Feier völlig nieder. Der Wiederaufbau erfolgte sehr schnell, denn das Gebäude diente der
Stadt auch als offizielles Bürgergesellschaftshaus, in dem nicht nur Schützenfeste, sondern auch Familien-, Bürger-und Handwerkerfeste ausgetragen
wurden. Am 6. September 1846 zur 400. Jahrfeier der Schützengesellschaft konnte das neue Schützenhaus eingeweiht werden. Diese sehr genauen Informationen sind dem damaligen Schützenhauptmann und Oberbürgermeister von Saalfeld Herrn Windorf zu verdanken, der in seiner glühenden Rede zur Einweihung des neuen Schießhauses, die Entwicklung der Schützengesellschaft umfassend darstellte.
Durch den Neubau des Schützenhauses hatte sich die Schützengesellschaft total verschuldet und das Gebäude musste an Privat verkauft werden, aber mit dem Vorrecht dieses für Schützenfeste zu nutzen.
Parallel zur Bahnlinie Saalfeld Bad Blankenburg wurde 1896, anlässlich der 450. Jahrfeier, ein neuer Schießstand errichtet. Das Gebäude ist heute
abgerissen und es diente der Firma Cramer bis vor einigen Jahren als Fischräucherei und Fischfeinkostbetrieb.
In der Festschrift zur 450. Jahrfeier wird von einem historischen Festumzug berichtet an dem die Schützen, ihre Gäste und die gesamte Stadt beteiligt
waren. Es wurde eine neue Fahne geweiht, die neben alten Schützenscheiben, Pokalen, Auszeichnungen, alten Schriftstücken und vielem mehr, in unserem Schützenhaus zu besichtigen ist. Diese historische Fahne von 1896 diente uns als Vorbild für unsere heutige Fahne.

 

Anlässlich der 477. Jahrfeier vom 5.-8. August 1923 wurde Saalfeld Austragungsort des 1. Gauschießens des Schützengaus Südthüringen, ein Unterverband des Deutschen Schützenbundes. Im Folgejahr vom 3.-6. August 1924 wurde das 2. Gauschießen in Saalfeld veranstaltet. Sicher waren die guten Sportstätten und unser gutes Bier der Grund für diese Auszeichnung. Historische Gedenkmünzen sind für alle Teilnehmer geprägt worden, auf denen die Saalebrücke mit Teilen der Stadt und das Rathaus zu sehen ist.

       
       

1925 wurde der Schießstand der 1896 neu errichtet wurde neu umgestaltet. Wohl um eine 300 m Schussbahn, für ein etwaiges mitteldeutsches Bundesschießen in Saalfeld zu erlangen. Zu einer derartigen Veranstaltung kam es am 9.-13 Mai 1926 nach Fertigstellung der Bauarbeiten.

   Festhalle

Im gleichen Jahr kam es zum Bau einer Fest- und Varietehalle auf städtischem Grund. Die anfallenden Kosten wurden von der Schützengesellschaft getragen. Einem Erbbaurechtsvertrag, der vom 1. Schützenmeister Herrn Ernst Spiegel und vom Schriftführer der Schützengesellschaft Herrn Christian Scheidig, an die Stadt gestellt wurde wird von der Stadt Saalfeld 1926 bewilligt. Diese Festhalle diente nicht nur den Schützen sondern auch der Stadt für Ausstellungen und sonstige Festlichkeiten. Die Festhalle blieb bis zur Wende und darüber hinaus als Sporthalle für Schulen und Vereine erhalten. In den 1990 er Jahre wurde dieses Gebäude abgerissen.

Ende der 20er - und Anfang der 30er – Jahre muss es der Schützengesellschaft finanziell sehr schlecht gegangen sein. Aus dem Schriftverkehr zwischen der Stadt Saalfeld und den Schützen, dem 2. Vorsitzenden Herrn Willy Koch und dem Kaufmann Herr Bäucker geht hervor, dass die Schützen, um eine erneute Herabsetzung der Erbpachtzinsen baten. Diesem Ersuchen wurde 1932 von der Stadt zugestimmt.

In der Zeit von 1933 bis 1945 änderte sich für die Saalfelder Schützen relativ wenig. Die Schützenfeste wurden jedes Jahr gefeiert. Das letzte Schützenfest wurde im August 1944 im jetzigen Volkspark gefeiert. Neben dem sportlichen Schießen der Saalfelder Schützen musste der Schießstand auch Wehrsportverbänden zur Verfügung gestellt werden. 1935 erfolgte die Zwangsversteigerung des Saalfelder Schützenhauses. Das Höchstgebot wurde von der Städtischen Sparkasse eingereicht. Von dieser kaufte das Bürgerliche Brauhaus das Schützenhaus ab und betrieb es bis 1945.
Nachdem sich im Frühjahr 1945 die deutsche Wehrmacht zurückgezogen hatte und der damalige Bürgermeister Herr Mannherz geflohen war, wurde Herr Willy Koch, der 1. Bürgermeister nach dem Krieg. Herr Koch war nicht nur Ratsmitglied der Stadt sondern auch 2. Feuerwehrhauptmann und 1. Schützenmeister der Stadt Saalfeld. Er war bei den Saalfeldern geachtet und sicher eine gute Wahl in dieser schlimmen Zeit.
Am 13. April 1945 übergab er die Stadt Saalfeld kampflos mit einer weißen Fahne an die amerikanischen Truppen. Diese Truppen zerstörten die wertvollen historischen Waffen der Saalfelder Schützen. Das Inventar der Schützen wurde beschlagnahmt. Die Besatzungstruppen, aber auch die Bevölkerung entwendeten Teile des Inventars. Damit war das Ende der Schützengesellschaft besiegelt. Sie hörte bis zur Wiedergründung auf zu existieren.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden keine Schützenvereine mehr zugelassen. Auch in der ehemaligen DDR gab es zu Beginn keine Schützenvereine. Ab Anfang der 50 er Jahre konkret, ab dem 07. August 1952 nach Gründung der Gesellschaft für Sport und Technik(GST), wurde Sportschießen möglich.

   GST

Aber auch bei der Armeesportorganisation ASK und der Polizeisportorganisation Dynamo konnte man dem Sportschießen nachgehen.
Das Training der GST wurde damals auf dem Schießstand in Saalfeld- Köditz durchgeführt. Diese Sportstätte wurde im Lauf der Jahre rekonstruiert und erweitert. Etwa 1980 waren die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen. Jetzt war ein komplexer Trainings und Wettkampfbetrieb möglich. Viele Schulen darunter auch Berufsschulen nutzten die Sportstätte für das Training und für Wettkämpfe. Neben den Trainingszentren in Suhl und Gera wurde 1982 ein solches TZ der GST in Saalfeld gegründet. Jetzt erlebte das Sportschießen in Saalfeld einen Höhepunkt. Teilweise wurden bis zu 50 Kinder und Jugendliche von 3 Übungsleitern trainiert und auf die Wettkämpfe vorbereitet. Unser Saalfelder TZ wurde zu einem Leistungszentrum im damaligen Bezirk Gera. Ab Mitte der 80er Jahre kehrten die Saalfelder Sportler immer öfter mit Edelmetall von DDR- Meisterschaften oder Spartakiaden zurück.
Nach der Wende 1989 entstand für die Sportschützen eine schier ausweglose Situation. Durch das Einziehen der Gewehrschlösser wurde ein Training unmöglich. Erst Aussprachen und Interventionen am Runden Tisch lösten die Situation auf. Die Gewehrschlösser wurden wieder ausgehändigt und ein Training war erneut möglich. Durch den Einsatz von interessierten und aktiven Schützen, darunter besonders Herrn Hartmut Reins wurden die Voraussetzungen geschaffen, auch in Saalfeld einen neuen Schützenverein zu gründen.
Durch Recherchen im Stadtarchiv Saalfeld, im Thüringer Staatsarchiv in Rudolstadt und im Thüringer Hauptarchiv in Weimar wurde bekannt, dass bis 1939 eine der ältesten Schützengesellschaften Deutschlands in Saalfeld bestanden hat. Und nachdem alle Voraussetzungen für die Neugründung einer Schützengesellschaft geschaffen waren, wie die Erarbeitung einer tragfähigen Satzung, Vorschläge für die Beitrags- und Gebührenordnung und vieles mehr, wurde am 07.02.1990 unter Teilnahme von 30 Personen die Schützengesellschaft Saalfeld a. S. 1446 e. V. wiedergegründet und mit der Nummer 8 beim Kreisgericht als eingetragener Verein registriert.
Große Unterstützung bei der Neugründung erhielten die Saalfelder Schützen von der Kulmbacher Schützengesellschaft Kulmbach- Ziegelhütten. Der ursprüngliche Name Privilegierte Schützengesellschaft Saalfeld a. S. 1446 e. V. wurde am 15. Juni 1992 wieder angenommen.
Am 1.Juli 1993 wurde zwischen der Stadt Saalfeld und der Schützengesellschaft ein Erbbaurechtsvertrag für 99 Jahre für das Schießstandgelände mit Schützenhaus vereinbart. Das war die Grundlage für ein sicheres Weiterbestehen und Weiterentwickeln unseres Vereins.
Karola Perwo wurde im Oktober 1992 die 1. Landesschützenkönigin. Seit dieser Zeit haben wir sehr oft den Titel nach Saalfeld geholt. Darunter Bettina Sattler 4 mal in Folge. Sogar den Titel der Bundesschützenkönigin konnten wir 2014 für Saalfeld erringen, erkämpft durch Saskia Gablenz. Die Aufzählung der Auszeichnungen und Titel ließe sich unendlich fortsetzen, da unsere Schützen bei Verein,- Kreis,- Landes und Bundesausscheiden viele vordere Platzierungen erringen konnten. Bei nationalen und teilweise internationalen Wettkämpfen haben unsere Sportler oft Edelmetall mit nachhause gebracht.
Seit vielen Jahren gibt es eine enge freundschaftliche und sportliche Beziehung zu unseren tschechischen Sportfreunden in Sokolov. Jährlich werden Wettkämpfe in Sokolov und oder bei uns durchgeführt.
Auch unterhält unser Verein über den Thüringer Schützenbund eine enge sportliche und freundschaftliche Verbindung zur Schützenjugend in der Picardie in Frankreich.

Quellenangabe:
Stadtarchiv Saalfeld Gedenkblatt zur 450jährigen Jubelfeier vom 01. - 09. 08. 1896

mit freundlicher Unterstützung von Hartmut Reins und Hans-Joachim Anders


...wird fortgesetzt!